MC4 kompatible Stecker

Immer wieder ein Diskussionspunkt mit Solarfachbetrieben: dürfen „kompatible“ Stecker mit Original-MC-Steckern verbaut werden?

Der bekannte Typ „MC4“ ist nicht genormt. Die genaue Herstellung (Toleranzen, Legierungen etc.) sind wohl Firmengeheimnis der Erfinder-Firma „Multicontact“. Daher sind Steckverbinder mit kompatiblen Steckern nicht dauerhaft sicher und zuverlässig. Sachverständige und Gutachter werden in der Regel gemischte Steckverbindungen bemängeln und austauschen lassen. Auch Versprechen z. B. seitens der Modulhersteller, die „kompatible“ Stecker verwenden helfen wenig, ebenso sog. „cross compliance Zertifikate“, z. B. vom TUV-China.

Hier noch eine Literaturquellen:

Photovoltaik – Sonderdruck Stecker

PV-Magazine – Anlagenbauer in der Zwickmühle

Photovoltaik – Anlagenbauer in der Zwickmühle

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Defekte Steckverbindung zwischen Original MC4 und sog. „kompatiblen“ Stecker. Es dürfen nur Komponenten des selben Herstellers gesteckt werden! Das Mischen verschiedener Fabrikate führt mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einem Ausfall oder Schaden.

Meine eigene, praktische Erfahrung zeigt, dass es tatsächlich bei „gemischten“ Steckverbindungen zu Problemen und Ausfällen kommt. Das Bild zeigt das gut: die Steckverbindung wurde heiß, hat sich verformt und wird früher oder später ganz ausfallen. Und das, obwohl das Zeichen vom TÜV im „kompatiblen“ Stecker aufgeprägt ist.

FAZIT: Steckverbindungen müssen immer vom gleichen Hersteller kommen. Sogenannte cross-compliance Bestätigungen von nicht-Original-Herstellern (also nicht von MultiContakt) sind das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt wurden. Ein Sachverständiger oder Gutachter wird in der Regel gemischte Steckverbindungen bemängeln.

Ich lebe für das Paradies auf Erden.

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4 Kommentare zu “MC4 kompatible Stecker
  1. admin-aho sagt:

    Das Steckerthema kocht immer noch weiter: erst vor kurzem haben wir wieder auf einer Baustelle, zu der wir als Gutachter hinzugezogen wurden, die Kombination von Steckern unterschiedlicher Hersteller aufgefunden – wir haben dem Bauherren geraten, die PV-Anlage in diesem mangelhaften Zustand nicht abzunehmen und die Restzahlung bis zur Mängelbehebung auszusetzen.
    Auch mein alter Weggefährte und TÜV-zertifizierter Photovoltaik-Gutachter Stefan Rothfischer aus Erlangen hat lange und fleißig an diesem leidigen Thema gearbeitet: mittlerweile liegt eine schriftliche Stellungnahme des TÜV vor, dessen Prüfberichte hinsichtlich Teilprüfungen von Steckerkombinationen oft zu Missverständnissen führen. Der TÜV gibt an, er führe in seinen Laboren zwar Teilprüfungen an solchen Verbindungen durch, die Prüfberichte beinhalteten „aber weder eine Konformitätserklärung noch führen sie zu einer Zertifizierung“.

    Das PV-Magazin hat in seinem Newsletter in seiner Serie „schwarze Schafe“ den Sachverhalt veröffentlicht und kommt zu folgendem Urteil: „Insgesamt raten die Experten aber klar davon ab, soche Steckverbinder unterschiedlicher Hersteller miteinander zu verbinden“
    Den Newsletter des PV-Magazin kann man hier nachlesen: http://newsletter.pv-magazine.com/go/16/1GLGP7TU-1GKPW87L-1GKQ5RHE-AJ4NTJ.php

  2. aho sagt:

    In den VDI-Nachrichten 2013-36 ist ebenfalls ein Artikel zum Thema nachzulesen!
    https://www.vdi-nachrichten.com/Technik-Wirtschaft/Vor-Kreuzverbau-Steckern-gewarnt

  3. aho sagt:

    Die Story geht weiter: ein Modulhersteller „bestätigt“ mit einem VDE-Zertifikat, dass der von ihnen verbaute Stecker mit MC4-Stecker auf Einhaltung der Normen geprüft ist. Multicontact schreibt auf der Website http://www.multi-contact.com/AcroFiles/PV-Portal/SZ_Compatibility_(en).pdf folgendes:
    Multi-Contact does not take any responsibility for damages that result from such connections which have not been approved by MC.

    Und weiter:
    The MC4 connectors made by Multi-Contact are TÜV certified only in combination with connectors from the MC4 product range.

    Gemischte Steckverbindungen sind also zumindest nicht TÜV-geprüft.

    Ich vermute, dass in einem Schadensfall der „schwarze Peter“ auf jeden Fall beim Kunden liegt. Oder bedeutet das Zertifikat des Modulherstellers, dass dieser die Haftung für die gemischte Steckverbindung übernimmt?

  4. aho sagt:

    Wieder eine neue Story zum Thema: Solarworld gibt in den aktuellen Datenblättern seiner Module als Stecker an: „MC4 / KSK4“
    Also, was nu??? Ein guter Fachbetrieb hat Module bestellt, die Unterkonstruktion war fertig vorbereitet und verkabelt – mit Original-MC4. Als die Module kamen, hatten die aber KSK4. In der Montageanweisung von Kostal (KSK4) steht:
    Die von KOSTAL entwickelten Kontakt-, Gehäuse- und Dichtsysteme sowie die bei ihrer Verarbeitung benötigten Crimp-, Montage- und Hilfswerkzeuge bilden in Verbindung mit den von KOSTAL freigegebenen Leitungen (Anhang) ein in sich abgestimmtes Gesamtsystem.
    Auf dieser Basis werden die jeweiligen Freigabeuntersuchungen durchgeführt und somit die spezifikationsgemäße Funktion des KSK 4 Steckverbindersystems nachgewiesen.
    Im Falle der Verwendung von NICHT-KOSTAL-Produkten bzw. bei nicht Einhaltung dieser Montageanleitung schließt KOSTAL jegliche Gewährleistung und Haftung aus.

    Kostal verbietet also – genauso wie die Fa. MultiContact – die Steckverbindung mit sog. „kompatiblen“ Steckern anderer Hersteller. Also: die vorbereiteten MC4-Stecker müssen wieder abgezwickt werden und durch KSK4-Stecker ersetzt werden. Oder schlimmer – wenn keine Freigabe für die vom Solarfachbetrieb verwendete Stranganschlussleitung (!) von Kostal erteilt wird: Es müssen kurze Adapterkabel mit MC4- auf KSK4-Stecker hergestellt werden. Der Nachteil hierbei: die Anzahl der Steckverbindungen wird größer und damit – nicht nur die Kosten! – auch das Sicherheitsrisiko, das jede Steckverbindung nun mal beinhaltet.

    Drum: bei der Planung und beim Bestellen von Modulen EXAKT auf die Steckverbinder achten! Auch wenn es die Modulhändler und Modulhersteller nervt: „kompatible“ Steckverbindungen sind NICHT akzeptabel!